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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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149Der Grund dieser Unwissenheit kan nun ent-weder im Menschen selbst, oder in dem von denGeistlichen ihnen ertheiltem Unterricht liegen; undbei letzteren liegt die Quelle davon entweder inihrem zu sehr begränztem und durch Vorurtheilebenebeltem Verstande; oder in der mangelhaftenEinkleidung ihrer Religion selbst, die, wenn schoneinige derselben solche einsehen, selbige doch we-gen Furcht für zeitlichem Mangel nicht rügendürfen.Ich habe schon (§. 28.) gesehen, daß sobald der Mensch anfänget in die äussere Einklei-dung der Religion grössern Werth zu setzen, alsin den eigentlichen Kern derselben, er nothwendignach und nach alle diejenigen, welche nicht inihrem Gottesdienst die nemlichen Ceremonien be-obachten, für von Gott entfremdete heillose Men-schen ansehen, mithin die Liebe zu selbigen ver-lieren müsse. Und eben dies ist die reichsteQuelle der Intoleranz bei dem Layen sowol alsdem Geistlichen selbst: obwol bei letzteren derStolz und Eigennutz eine nicht minder ergiebigeQuelle ausliefern, wovon hernach. Nun ist abersehr natürlich, daß so bald der Lehrer, der Ge-meine dergleichen kurzsichtige und dem wahrenEndzweck der Religion und Erschaffung geradeentgegengesetzte Grundsätze heget, diese alsdannnothwendiger Weise unter seinen Zubörern nachund nach algemein werden müssen. Die Erfah-rung liefert davon in einzelnen Gegenden vieletraurige Beispiele, und die um so traurigersind, weil nachher so viele Zeit und nicht seltendas Aussterben aller derer, so diese Lehre einge-ſogen