146Weise daraus, wenn er Anhänger genug fand,eine besondre Haupteintheilung der Religionsver-wandten entstehen, die sich nun absonderten unddurch ihre besondere Gebräuche in der Kircheplatterdings von den andern unterschieden. Sobald dieses geschahe, konnte nichts anders alsIntoleranz entstehen. Die mehresten Menschennehmen nemlich die Begriffe von der eigentlichen ArtGott zu dienen, von dem Bilde wie sie einem welt-lichen Monarchen dienen, her. Da nun die Geistlichenin ihrem zu gebenden Unterricht die Menschen,und zwar mit Recht in gute und höse eintheilen,so siehet immer das einfältigere Glied einer jedenReligion sich deswegen für ein besseres an, weiles von der rechtgläubigen Kirche zu seyn glaubt,und setzt jeden von einem andern Glaubensbe-kenntniß nicht allein weit unter sich; sondern daes für sich als einen Rechtglaubigen auf GottesLiebe und Schutz mehr Anspruch machen zu köü-nen, hingegen den auswärtigen Religionsverwand-ten dieser Liebe Gottes mehr unwürdig zu seyn,oder wol gar denselben als einen Anhänger desTeufels7.—ten Gebräuchen versteckt ist, daß sie nun von vielen alseine altmodische Sache verworfen wird.2.) Wenn zwar eine Menge von Gebräuchen undeingeführten Ceremonien, bei ihrer ersten Einsetzung ganzgut und löblich waren; aber nachher von den Gliedernder Kirche nach und nach entweder ganz verunstaltet wur-den, oder gar für Theile des wesentlichen Gottesdienstesangesehen werden; und dadurch daß sie den Menschenvon dem eigentlichen wahren Gottesdienst, nemlich Gottim Geist. und in der Warheit anzubeten, abwandten,für die Moralität mehr Schaden als Nutzen stifteten.Lehterer Fall fand sich bei den Pharisäern, und wurdevom Heyland ernstlich gerüget.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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146
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