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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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145Ich habe überhaupt im ersten Abschnitt ge-zeiget, daß zwar die Religion sich auf wenigeSätze simplificieren liesse; daß es aber wegen derverschiedenen Receptivität der Menschen nöthigseye, daß diese Grundlehren in einer besondernHülle und Einkleidung den Menschen dargestelletwürden, wenn sie auf ihr Herz den nöthigen Ein-druck machen solten, da der wenigsten MenschenVerstand die Fähigkeit hätte, die Gründe derDinge zu untersuchen; und noch weniger Reli-gionswarheiten von gröberen sinnlichen Begriffenzu abstrahiren. Ich zeigte ferner, daß man vonjeher diese Hülle der Religion anders geformthabe, nachdem einmal ein oder anderer minderoder mehr aufgeklärter Kopf Mängel in der Ein-kleidung einer oder anderer Religionswarheit zuentdecken glaubte, oder würklich entdeckte. In-dem er dieses nun abänderte fiel ihm nothwendi-ger Weise ein oder anderer bey, der nemlichseine Meinung für wahr hielte; und so entstan-den mehrere Sekten, und werden auch noch in denFolge immer entstehen. (Von denen, welche dieGrundwarheiten der Religion angreifen, so daßdaraus für das Wohl der Gesellschaft selbst Ge-fahr entspringen kan, rede ich hier nicht.] Glaub-te nun dieser oder jeder andre Reformator esnöthig zu seyn dem ganzen Religionssystem eineneue Form (*) zu geben, so muste natürlicherWeise) Dieses kan in zweien Fällen nöthig und nützlich seyn.1.) Wenn die vor undenklichen Jahren angenommene,und dem damaligen Zeitalter zwar völlig angemesseneForm, nun gar nicht mehr für das gegenwärtige Zeital-ter sich schicket; mithin die Religion dergestalt, unter al-ten