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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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142drücke auf den Menschen, wenn er gründlich ge-bessert werden sol, würken, lehret uns die Erfah-rung zur Genüge. Das Volk Israel machte un-ten am Berge Sinai Götzen, und folgte in der-selben Bildung, den Begriffen und Gebräuchendes Landes, welches sie verlassen hatten: siethaten dieses, nachdem doch Gott sich ihnen un-mittelbar vorher so sichtbar, als ein ganz andresWesen gezeiget hatte: aber die heftigen Ein-drücke, so sie bey dieser Erscheinung verspürethatten, wie nicht weniger der heilige Schauer,so sie überfallen hatte, besserten sie nicht. Diemehresten Juden blieben bey den, alle andereWunderwerke übertreffenden Wundern Christi dochungläubig, obschon sehr oft ihre Natur dadurcherschüttert wurde. Und wie mancher Krankerwird nicht auf seinem Krankenbett bis aufs in-nerste gerühret, und nimmt allen äussern Scheineines wahren Heiligen an, wird aber doch baldnach seiner Genesung ein eben so schlechter, jazuweilen noch schlimmerer Mensch als er vorherwar? Was wil man also erwarten von dem ab-gezwungenen Religionsbekenntniß desjenigen, wel-chem entweder der Henker allerley Marter; oderder gütige Enthusiast allerley falsche Belohnun-genhöchst beschwerlich machen. Ich wil zur Vergleichung mitdem moralischen in diesem Fal, nur allein die mehroder minder algemein herrschende verschiedene Vorurthei-le, so an einem Ort vor dem andern sind, anführen.Welch eine verschiedene Lehrmethode und Behutsamkeiterfodern selbige nicht von Seiten des Lehrers, wenn ersich das so unumgänglich nothwendige Zutrauen seinerGemeinsglieder erwerben will?