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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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139als ihm dafür zu danken; und dir um zu diesemGlöck zu gelangen einen ganz hellen Weg gezei-get hat, siehet dich bey jeder Handlung. Einejede schlechte lieblose Handlung macht dich alsozu einen Undankbaren gegen Gott und zu einenThoren gegen dich selbst. Kan jemand wol ei-nen kräftigern Bewegungsgrund zur Tugend, zurLiebe und Toleranz ersinnen? Bey dieser gründ-licher Untersuchung wird ihm Lust und Muthvergehen, sich mit fremden Sachen abzugeben:und seine eigne Fehler werden ihm Demuth undNachsicht gegen die seines Nebenmenschen ein-flössen. Wie weise und gütig sind nicht dieWege Gottes mit den Menſchen? Auch der beſtefehlet und übersiebet zuweilen seine Pflichten.Aber eben die Einsicht davon ist ihm nöthig umdemüthig zu seyn und Liebe gegen seinen Neben-menschen auszuüben, ohne welche er selbst nichtglücklich seyn konnte. Damit aber der Menschbey der Erkenntniß seiner unvorsetzlichen Fehlernicht durch Traurigkeit, Mißmuth oder wol garVerzweiflung in seiner Würksamkeit aufgehaltenwürde, schenkte Gott ihm einen Erlöser durchden er sich gewisse Vergebung und Gnade ver-sprechen konnte. Was kan wol dem Menschen,und dem menschlichen Zusammenleben, wennGlück unter ihnen seyn sol, angemessener seyn?Warhaftig! könnte solche Religion auch nur einebloße Illusion seyn, so bleibt sie doch immer dersicherste Weg um auf dieser Welt glücklich; dasist, in Friede mit Gott, sich selbst und seinemNebenmenschen zu leben; als welches eine unaus-bleibliche Folge ist, so bald unsere Begierden dienöthige Richtung erhalten haben. Diese Rich-tung