133ster Treue zu kennen, der merkt gleich, daß nichtallein seine ganze Aufmerksamkeit hierauf durchauserfordert wird; und er durch jede Gelegenheit, dieseine Aufmerksamkeit hievon abziehet, ganz ent-setzlich aufgehalten wird; sondern so bald er denabgelaufenen Theil betrachtet und zwücke denkt,dann findet er eine erstaunliche Menge Punkten,die er, wo nicht ganz, doch zum Theil überge-hüpfet; und da er nun diese Punkten ausser Achtgelassen hat, so hat er auch natürlicher Weisesich an derselben Betrachtung nicht üben undvervollkommnen können. Je mehr er aber diesesunausgesetzt zu vermeiden sucht, desto vollkomme-ner wird er hier, mithin auch desto volkomme-ner und glücklicher in jener Welt seyn; denn un-ser Glück bestehet ja nur in der Vervolkomm-nung. Und eben deswegen, ich wiederhole esnoch einmal, kommt es beym Menschen nichtauf die Resultate an, ob er würklich viel vonihm gestiftetes Gutes entdecket, sondern ob ermit möglichster Treue alle seine physische undmoralische Kräfte zu seiner und des Nächsten Ver-volkommnung angewendet habe. Dies ist dieQuintessenz der christlichen Religion, und ebendiese lehret den Menschen den Weg, auf diese Artdie größte Stufe der Vervolkommnung und Glück-seeligkeit zu erlangen, deren er fähig ist. Diesheißt in der Bibel vor Gott wandeln, ihn nem-lich sich stets so gegenwärtig halten, daß manimmer von der Warheit durchdrungen ist: Er,der dein Schöpfer war und dein Vater seyn wil,wenn du dich ihm nur ganz übergiebst, und derdir das Leben allein gab, um glücklich zu seyn,und doch dafür nichts anders von dir begehret,als
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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138
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