Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

135Begebenheiten, Frost, Hagel, Dürre rc. mannich-mal gänzlich vereitelt wurden; ja, wenn schonsein sehr hoch gestiegenes Alter und kränklicheUmstände ihm keine Warscheinlichkeit des Genußesseiner Arbeit mehr versprechen. Es kommt hieraber nicht darauf an, ob er würklich viele, nachdemWenn z. E. der Arzt einmal eine Krankheit genau nachden physischen Gesetzen eingesehen hat, und die gegen dieKräfte der Krankheit verhältnißmäßig würkende Mittelgleichfals gehörig kennet, dann kan ihm zwar in so weitdie Kur nicht mißlingen. Er verspricht selbige, und nichtohne Grund. Aber, als Mensch der die zukünftigeEreigniße nicht vorhersehen kan, hält er sich bevor, wennnur keine andere, mit dieser Krankheit in gar keiner Ver-bindung stehende Zufälle hinzukommen. Er kan nemlichnicht wissen; ob nicht der Kranke sich bald nachher ausEigensinn oder Muthwillen vernachläßigen werde; obdemselben andere widrige Zufälle, als heftige, Leiden-schaften 2c. zustossen und sein Uebel verschlimmern, undwol gar bald nach der besten Hofnung der Herstellungungenesbar machen werden. Hierin hängt also der Menschvon Gott ab, indem er alle dergleichen Zufälle nicht vor-hersehen und noch weniger verhüten konnte. Ein jedersiehet aber leicht, daß bey einer auf die Art mißlungenerKur, dieser unglückliche Erfolg nicht den Mitteln zuzu-schreiben ist, und es ganz sicher wahr seye, daß wenndie Wahl der Mittel gut getroffen war, und die Kräfteder Arzneimittel die der Krankheit überstiegen, alsdenndie Mittel die Genesung eben so sicher hervorbringenmusten, als es gewiß ist, daß auf der Wageschale, einGewicht von 100. Pfund, die andre Wageschale die nur90. und ein halb Pfund trägt, herunterziehen muß. Nurkan der Mensch nicht wissen, ob nicht durch eine der ob-bemeldten unvorherzusehenden Ereignißen die Kräfte derKrankheit in dem Maaße zunehmen werden, daß dieKräfte des Lebens, mithin das Leben selbst eher unterlie-gen wird, als man durch die Arzneymittel die, undzwar überwiegende gehörige Gegenkraft anwenden kau-