Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134an der andern Seite, wenn sein Plan nicht ge-lungen, er deswegen nicht aufhören solle thätigzu seyn; sondern im Moralischen und im Physi-schen dem redlichen Hausvater es gleich machen,nemlich immerhin säen und pflanzen, wenn schonseine Bemühungen durch noch so viele wiedrigeBe-nemlich die Abhänglichkeit des Menschen von Gott der-gestalt vor, daß der Mensch für sich, ohne eine gleich-sam unmittelbare Mitwürkung Gottes auf dieser Welt,platterdings nichts ausrichten könne: daß z. E. eine ge-nommene Arzney nichts helfen werde, wenn Gott sei-nen unmittelbaren Seegen nicht dazu giebt u. s. w. Hie-durch wird aber die Würde der Geschöpfe Gottes undhauptsächlich die des Meuschen viel zu sehr herunter gesetzet;und ist dergleichen Gedanken mit dem Plane des alweisenSchöpfers, nach welchem überal die Mittelursachen aufeinander würken und das bestimmte Resultat hervorbrin-gen, ganz streitend. Die physischen Kräfte der Körpersind letzteren vom Schöpfer dergestalt eingepräget wor-den, daß ihre Würkung, wenn sie keine überwiegendeGegenkraft finden, gleichsam zur Nothwendigkeit wird.Denn, gleichwie jeder schwerer Körper, wenn er in dieHöhe geworfen wird, herabfallen muß; und der mitMäßigkeit genommene Wein den Schwachen erquicket,der in Uebermaß getrunkene hingegen berauschet, so wür-ken nicht allein alle Arzneymittel, sondern sämmtlichephysische Körper, nach den ihrer Essenz angemessenen Ge-setzen, ohne daß der Mensch eine unmittelbare Mitwür-kung Gottes zu erwarten braucht. Es bleibt aber immerfür den würkenden Menschen Pflicht, sein Lebenlang inder genauern Kenntniß dieser physischen Körper, und derselben Kräften (hauptsächlich aber derjenigen, die in sei-nem von der Vorsehung ihm angewiesenen Würkungs-kreiß einigen Einfluß haben) sich täglich zu üben, derselken nützliche Anwendung zu erlernen trachten, mithinnicht allein das Uebel und Mittel dagegen, sondern bey-der verhältnißmäßige Kräfte genau zu kennen, sich bestre-ben. Je weitere Schrite der Mensch hierin macht, destowürksamer und nützlicher kan er in seinem Fache seyn.Wenn