131Und wie leicht würde er träge dabey wer-den können und denken: ich habe schon so vielGutes gestiftet; oder ich wil noch nach der, oderder Zeit so viel Gutes stiften; wobingegen erjetzt weiß, daß es nicht darauf ankommt, ob erwürklich viel Gutes geßiftet, sondern ob er seineKräfte um Gutes zu stiften bis hiehin getreu je-derzeit angewandt habe, und selbige ferner soanzuwenden fest entschloßen sey.Und da die Erfahrung an der andern Seitezur Genüge lehret, daß, der nach allen Regelnder menschlichen Klugheit ausgedachter und langeüberlegter Plan, wenn er schon die beste Absichtzum Grunde hatte, dennoch sehr oft mißlinget,und bey weitem den geboften Nutzen nicht aus-liefert, so würde der Rechtschaffene, wenn ernicht gewiß wüßte, daß es nicht auf den Erfolg,sondern blos allein die Absicht bey Gott ankömmt,bald ganz muthlos, wo nicht völlig unthätig wer-den; wenigstens seine Kräfte nicht mehr nachVermögen anwenden.Wäre endlich der Mensch Herr über denErfolg seiner Unternehmungen, so würde er jabald bey seiner kurzen Einsicht, in der Bemühungzur Erreichung des Endzweckes, um welchen ersich so ängstlich quälete, sein eigenes und ande-rer Unglück bauen. Denn wie oft erfähret man,daß eben dasjenige glücklich machte, welches ver-her das grösseste Unglück anzukünden schien; undhingegen wie oft entspringt nicht Unglück ausdem, wornach der Mensch kurz vorher für sich,oder andere so ängstlich sich sehnete! Wie oftsam-
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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131
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