136Mittel gewählet, die seine Kräfte und Einsichtihm darbeten. Die Ueberzeugung das gethan zuhaben, was er zu thun schuldig war, und festerGlaube, daß Gott jedes redliche Bestreben dasGlück seines Nebenmenschen zu befödern, nichtunbelohnt lassen wird, sind ihm hinreichend.Der, von der armen Wittwe, mit dem gut-gesinnten Herzen, in den Gotteskasten eingelegteScherf, und die dadurch so sehr gering vermehrteSumme des nun darin enthaltenen Geldes warin Gottes Augen viel beträchtlicher, und ver-diente viel mehr Achtung bey ihm, als die grossenSummen, welche die Reichen einlegten. Gottbedarf ja keines Menschen, noch ihrer Güter, umseinen Plan auszuführen. Er kan schaffen waser wil; und wie oft bildet sich der Mensch nichtein, Gott müsse dies oder jenes durch ihnausführen. Welch eine Kurzsichtigkeit!Das Glück des Menschen selbst erfoderteferner diese Einrichtung ganz nothwendig. Dennwenn der Mensch an der einen Seite wüßte,daß es bey ihm stehe, ob seine Anschläge ge-lingen und der gehofte Nutzen werde erreichetwerden, dann würde er ja gar bald Gefahr lau-fen in einen unerträglichen Stolz zu verfallen,und dadurch sich unfähig machen, sein eigen Glückso wol, als das seines Nebenmenschen, nach sel-nen Kräften, zu befödern. Ja, er würde viel-leicht bald, gleich jenen Riesen in der Fabel, denHimmel selbst bestürmen wollen.Und
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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