Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

14so ist er strafwürdig. In welchem Grade? Diesweis ich nicht, da die heil. Schrift schweigt.Warscheinlich ist es aber, daß die künftigen Stra-fen derer, ihre Vervolkommnung wissentlich ver-nachläßigt habenden Heiden, nicht so groß seynwerden, als die der andern Abtheilungen: letz-teren werden selbige auch schon deswegen em-pfindlicher seyn, weil sie ihren Verlust mehr zuschätzen wissen. Gang, Gott wird diesen so we-nig wie jenen grausam, sondern gerecht vorkom-men. Er wird sie anhalten Rechenschaft zu ge-ben von ihrem Pfunde. Die Heiden geben alsoRechenschaft als Heiden, nicht als Christen. Werbei dem Gesetze (der Offenbarung) gefündiget hat,wird darnach gerichtet und gestraft; wer ohne Ge-setz (der Offenbarung) gesündigt hat, wird alsein solcher gerichtet. Dieses sagt die heil. Schrift.Gott also, der selbst in der Person des Mesiasdie Menschen lehrete, gegen alle Menschen ebengerecht zu seyn, sie alle zu lieben, wird gewißan jenem Tage des algemeinen Weltgerichtes nichtallein gegen die Christen gerecht seyn, und nurallein diese nach dem Pfunde welches er ihnenertheilt hatte, richten; sondern er wird ganz zu-verläßig auch gegen die Heiden die nemliche Ge-rechtigkeit ausüben, und diejenigen, welche mitihrem Pfunde gewuchert haben, belohnen; hinge-gen die anderen bestrafen. Der Gegensatz streitetgegen Gottes Gerechtigkeit, und ist also Läste-rung dieses algütigsten Wesens. Wer dürfte alsonoch wol anstehen mit dem Apostel auszurufen(a) Herrlichkeit aber und Ehre und FriedeüberI 2(*) Br. an die Römer 2. p. 10.