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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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130Pflichten gegen ihren Oberherrn und andere,nicht auf seine uumittelbare Veranstaltung bekanntgemacht und eingeschärft. Ihnen sagt sie nur ei-ne leise, dem grösten Hausen unvernehmlicheStimme; diese sagt sie ihnen bey weitem nichtalle, sondern nur einige. Sie haben also weni-gere Gelegenheit ihre Pflichten kennen zu lernen;weniger ermunternde Erinnerungen sie auszuüben.Sie kommen also seltener in Versuchung wissent-lich gegen ihre Pflichten anzustoßen. Brauchensie nun die sich ihnen anbietende Gelegenheit zumehrerer Erkenntniß, und die Umstände so siezur Befolgung derselben ermuntern, und die ih-nen vorkommende Rührungen; handeln sie nachihren Einsichten, oder wie es der Theologe sagenwürde, brauchen sie die ihnen verliehenen Kräfte,so glaube ich, werden sie glücklich seyn, und dieArt des Vergnügens, wozu sie fähig sind, ge-niessen; aber vielleicht doch nicht zu dem Glückesteigen, das wahre Christen sich versprechen dür-fen. Deswegen aber sind sie nicht unglücklich;wir dürfen ihr niedrigeres Vergnügen, mit ebenso wenigem Recht für ein Unglück und einenStand des Mißvergnügens ansehen, als ein Kö-nig die verschiedenen Stände der Unterthanen. Er,der höhere Begriffe von dem Schönen hat, wür-de sich freylich bey ihren Freuden nicht freuenkönnen. Sie aber könnens, weil sie andere Be-griffe haben.Vernachläßiget aber der Heyde die angeführ-ten Gelegenheiten, widersetzet er sich denen Rüh-rungen und Erinnerungen seines Herzens, han-delt er gar wider sein Gewissen und Einsichten,