129sich also beschweren, weil ein jeder mit seinemGlück zufrieden ist, und nur die Arten der Dingeschön findet, die er nach seinen Begriffen derSchönheit welche er erlangen konnte, beurtheilenund abmessen kan. Denn, unsre vernünftige Be-gierden, müssen eine unsrer ganzen Lage undKräften völlig angemessene Richtung haben, undnur in so fern kan der Mensch durch die Erfüllungderselben glücklich seyn. Dieses muß ein jeder zu-geben: denn sonst würden nur die größten Ge-istes glücklich und vergnügt, und in dem künfti-gen Leben keine Staffeln seyn können, weil sichalsdann einer immer das erhabenere Glück derhöhern Gattung wünschen, und dadurch sein eignesvernichtigen würd: Ja, noch mehr: Niemand ausserGott könnte sodann glücklich seyn. Eben so wiein diesem Fal auf unsrer Erde der Bauer sichdas Glück des Edelmanns, der Edelmann dasGlück des Fürsten, der Fürst das Glück des Kö-niges mit Recht wünschen zu können, glaubenwürde; so würde in jener Welt sich der seeligeMensch vielleicht das Glück der Engel; der En-gel wieder das Glück einer höhern Gattung wün-schen, und so würden die misvergnügten Wün-sche der Geschöpfe in einer steigenden Linie biszum Thron des Allmächtigen aufsteigen, und erder einzige seyn, der wüßte was Glück seye.Die Heiden also, der zu einem niedrigernGlück, aber doch zu einem Glück bestimmte Theilder Schöpfung, sind so wol zur Ehrfurcht, Liebeund Gehorsam gegen ihren Monarchen verpflich-tet, als die anderen Abtheilungen der Menschen.Ihnen werden aber die Gesetze der Tugend, derPflich-
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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129
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