123ner des alten Testaments, vielleicht ein kleineres;Heyden das kleinste. Alle aber sind nichts desto-weniger glücklich, aber in verschiedenen Arten desVergügens; der eine in einer erhabenern, derandere in einer niedrigen. Jeder urtheilt nachdenen Begriffen der Schönheit, die er sich eigengemacht hat. So wie unter uns ein Kind dasfür schön hält, was seiner Puppe ähnlich ist,und der Bauer bey einem wohl angelegten Land-hause mehr empfindet, als bey dem regelmäßigstem Pallaste, weil er da die Begriffe der Schön-heit anwenden kan; hier nicht, indem der gebil-dete Fürst sich blos bey benen kostbarsten Ge-walden, treflichen Pallästen, und anderen Mu-sten der Kunst vergnügt.— Sie können also allec. gewisses Glück erreichen: keiner darf sich be-schweren, warum er nicht das erhabene des an-dern geniesse; denn Gott hat das Recht dieseEinheilungen zu machen. Oder hat nicht ein2. er Macht aus einem Klumpen dies zu einemverkreten, jenes zu einem nicht so verehrten Ge-f ß: zu machen? Und glauben nicht alle ver-nänftige Christen, daß in der Seeligkeit Staffelnseyn werden? Geng, daß wir allen Grund jaalle Gewiß eit haben, daß wir immer Gelegen-heit beyen werden in der Vervolkommnung zusiegen, mithin immer glücklicher zu werden.Ma könnte ja hier also auch sagen, warum dieweisger seligen von Gott nicht denen höchstengleich gemacht worden. Das thut aber niemand,Warum wil man dann Gott nicht gleiches Rechtbey denen Heyden einräumen? Die Guten wer-den mit ihrem Zustand zufrieden seyn und dieHofnung haben künftig zuzunehmen. Keiner wirdsich
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten