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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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124sich nächstens in den Schoos der Kirche wiederals ein würdiger Christ begeben werde. Unddarf man einen solchen lasterhaften Bruder nichtzur Hölle verdammen, wie viel weniger darf mansolches thun von denen die ausser der Kirche sind,und nicht das äussere mitmachen wollen, oderdie nicht einmal weder das wesentliche der Re-ligion Christi noch auch die von der Gemeine vor-geschriebenen äussere Mittel kennen. Wie stimmtdergleichen Urtheil mit dem Grundgesetz der Re-ligion, wo es heisset, man solle kein Aergernißgeben? Sagt nicht der Apostel Petrus ganz aus-drücklich, nachdem er die vortreflichen Eigenschaf-ten des beidnischen Hauptmanns Cornelius soganz wider sein Vermuthen und gehabte Vorur-theile gegen die Heiden, entdeckte; (a) "Nun er-febre ich mit der Warheit, daß Gott die Per-son nicht ansiehet, sondern in allerlei Volk,wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm., Nun konnte aber Cornelius Gottnicht anders fürchten, nemlich ihn als seinenSchöpfer und Herren annehmen, als nach demMaaß der geringen Erkenntniß welches er alsHeide haben konnte; und die Moral Christi warihm eben so unbekannt, mithin waren seine Be-griffe vom Recht ebenfals höchst eingeschränkt inRucksicht der Pflichten welche die Christen hierinhaben: und doch war er Gott angenehm. Pe-trus hat also gewiß in der Folge keinen Heidenals einen Feind Gottes, der dessen ewige Strafeja ewiges Feuer zu befürchten hätte, betrachtet,sondern selbige so bald sie ihrem Lichte ge-treu(a) Apost. Geschichte 10. v. 34.35.