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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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123Ohnerachtet der angeführten deutlichsten Vor-schriften, giebt es doch noch leider unter einigennicht gnug unterrichteten Christen fast von allenAbtheilungen, solche, welche ihrer äusserer Reli-gionsform den Vorzug beilegen, daß sie ein Pri-vilegium exclusivum auf das Himmelreich gebe;und verdammen daher ganz unbarmherzig oderauch wol wenn sie ein gutes Herz haben mit wah-rem Mitleiden alle auswendige Religionsverwand-te, wo doch Paulus selbst nicht einmal diejeni-gen offenbar lasterhafte ausser seiner Kirche rich-ten und noch weniger zu ewigen Martern verdammtmen wolte, (a) von denen Christus sagt, siekönnten nicht ins Himmelsreich kommen; nemlichso lange sie solche Handlungen zu begehen fort-fahren würden. Er sagt ausdrücklich (b) Einjeglicher aber prüfe sein selbst Werk: undalsdenn wird er an ihm selber Rhum haben,und nicht an einem andern. Denn ein jeg-licher wird seine Last tragen. Und wie kandann doch ein Mensch vom anderen urtheilen,ob er seine Unvolkommenheiten einzusehen, sie zufühlen angefangen, und selbige auszubessern sichfeste vor Gott vorgenommen habe? Dies kan kei-ner von seinem Bruder wissen, mithin darf manihn nicht verdammen, selbst wenn schon die Kircheihn wegen seiner Halsstarrigkeit und Beharrenim offenbaren Lasterleben aus ihrer Gemeinschafthat ausschliessen müssen. Man weiß ja nicht,ob dieser verirrte nicht unmittelbar nachher schonangefangen habe zur Einkehr zu kommen, undf.h(2) 1. Br. a. d. Corinth. 5. v. 12.(b) Br. a. d. Galgt. 6. v. 4. 5.