Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122kommt nun der Mensch bevor, wenn er eine Ver-felgung mit Liebe, aber dagegen mit unerschrock-nem Muth, mit Gelassenheit, mit freundschaft-lichen Erinnerungen und Nachgeben, mit einemWort, mit Großmuth beantwortet. Alsdann weichtder Verfolger zurück und wird beschämt; alswovon man die Warbeit mir unzähligen Geschich-ten ganz leicht erweisen kan. Toleranz und dievon Gott deshalb gegebene Gesetze gestatten alsokeine Schwäche, sondern ein mit kluger Energieund zur rechten Zeit erwiedertes, und auf dasbeste des Verfolgers so wol, als des Verfolgtenzielendes Nachgeben. Der Apostel Paulus sagt(a)Laß dich nicht das Böse überwinden, son-dern überwinde das Böse mit Gutem.,§. 23. Die christliche Religion verbeut end-lich so gar, daß man niemalen über den morali-schen Zustand eines Menschen urtheilen solle. Esheißt ausdrücklich: (b) Richtet nicht, daß ihrnicht gerichtet werdet; verdammet nicht, daßihr nicht verdammet werdet: Jacobus wieder-holet dieses wenn er sagt: (c) "Es ist nur einI einziger Gesetzgeber der seelig machen und ver-dammen kan. Wer bist du denn, daß du ei-nen andern richtest? Die Toleranz sol alsoso weit gehen, daß man nie ausdrücklich in kei-nem Fall, von seinem Nebenmenschen solle sagendörfen, daß er verdammet seye, oder werde ver-dammet werden.Ohner-(a) Br. a. d. Rimer 12. v. 21.(b) Evang. Lukas 6. v. 37.(c) Br. Jacobi 4. v. 12.