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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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121Wuth, doch wenigstens in Verachtung und Un-terrückung ausarten werde. Dergleichen Furchtist eine wahre Schwäche, und immerhin schäd-lich, ja selbst nicht selten gefährlich. Durch sol-che verleitet, kan selbst ein schwacher, vorhinfurchtsamer Mensch gegen einen noch schwächernals er ist, zur wahren Grausamkeit verleitet wer-den. Denn so bald ein schwacher einen Lochschwächern, furchtsamern verfolget, wächset dieLust zur Verfolgung gleichsam mit jedem Schritt;indem 1.) seine Neigung zu verfolgen, zu unter-drücken durch nichts mehr gegenbalanciret wird.2. Es steigen nach und nach sodann andere Lei-denschaften mit dadurch in ihm auf. Er fängtnun an stolz darauf zu werden, daß er einenandern auch unterjochen, daß er auch einmal ei-nen könne zum Kriechen zwingen. 3.) Wirdalsdenn dem schwächern dieses zu hart und un-ausstehlich, so daß er die Geduld darüber undmit derselben die Klugheit verberet, und sich aufkeine andre Art als durch Schimpfen zu rächenweiß, so wird dadurch die Eigenliebe des Ver-folgers noch mehr gereitzet; er wird sodann an-gesetzet ihn seine einmal erhaltene Obermacht nochmehr empfinden zu lassen, ihn noch mehr zu de-müthigen. Ja, wenn 4.) der verfolgte und nunganz unterliegende ihm vorhin manchmal imWege gewesen, so kan der Gedanken entstehenihn ganz aus dem Wege zu schaffen; und so kanbey gewissen Umständen durch aus Schwäche rüh-rendes Nachgeben wahrer vorsetzlicher Todschlagentstehen. Man siehet so gar, daß auf diese Artein schwacher Mensch fast grausamer werdenkönne, als ein eigentlicher harter. Diesem allemkommt