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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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120ist es, daß ein heftiges Nießen, öfters auf ein-mal ein hartnäckiges Schluchsen endiget; undwie öfters siehet man nicht z. E. bey einer durcheinen Sterbefal erregter beftiger Traurigkeit, beyder durch den Verlust äusserst betrübten Person,durch eine ganz ungereimte und lächerliche Con-dolenz, wenn selbige nur den Verstorbenen nichtbeleidigte, auf einmal ein Lachen und Spott er-regjn, der für den Augenblick jede Empfindungder Traurigkeit gleichsam verdränget? Dies Ge-gengewicht der physischen und moralischen Kräfteim Menschen, war aber noch nicht hinreichendden Menschen in seinen Schranken zu halten,ihm die dem Ganzen angemessene Richtung zugeben. Hiezu wurde noch erfodert, daß im Zu-sammenleben ein Mensch dem andern zum Ge-gengewicht dienen, das ist, ihn in den gehörigenSchranken halten solte. Ich mußte dieses vor-ausschicken um hierin gründlich genug seyn zukönnen, weil sonst manchem die Ausnahme, wel-che ich oben beym Nachgeben an seine Feindegemacht habe, anstößig seyn könnte.Wenn daher der Mensch seinen Feindennachgeben sol, dann muß solches jederzeit aufdie Art geschehen, daß der Gegner merken könne,daß solches aus Liebe zum Frieden, zur Verhü-tung grössern Schadens, mithin zum Vortheil füralle beyde, und nicht aus Furcht geschiehet. Nunsiehet man leicht, daß im ersten Fal, der Härte,der Grausamkeit des Verfolgers ein Gegengewichtgeſetzet, mithin ſelbige in Schranken gehaltenwerde; wohingegen aber selbige bey dem geringsten Zeichen von Furcht, wo nicht in grössereWuth