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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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119Unterdessen schliesset die Lehre Christi, hierso wenig wie irgendwo anders; eine auf ver-nünftige Gründe ruhende Klugheit aus. Es istnemlich nicht ihmer klug und gut gehandelt sei-nem Verfolger in allen Stücken nachgeben. Dieskan denselben zu einer gewissen Art von Verwe-genheit und Stolz bringen, die seine Verfolgungviel gefährlicher machen würde. Es ist bey demMenschen ein unveränderliches Naturgesetz, daßdie physischen und moralischen Kräfte, in einemsichern Gleichgewicht gegen einander gebalten wer-den müssen. Eine Kraft erhält die andre inOrdnung und contrebalanciret sie, daß sie nichtdie dem Ganzen angemessene Ordnung überschrei-ten solle. Dies gilt im physischen und morali-schen. Wenn dem Herren der Widerstand ver-mindert und seine nürkende Kraft, durch einenihm angebrachten Reitz vermehret wird, danngehen eine ganze Menge anderer körperlicher Ver-richtungen in grosser Unordnung von statten; jaunter gewissen Umständen kan dadurch das Herzein Zerreissen der ihm nahe liegenden Blutgefässenverursachen. Der Widerstand nemlich, welchendas Herz im natürlichen Zustand hat, wodurchseine Kraft gegenbalanciret wird, sind die kleinerenGefäße; wird die Empfindlichkeit der letzterenvermindert, so schlägt das Herz viel stärker, oh-ne daß es deswegen brauchte gereitzet zu wer-den. Das nemliche beobachtet man im Morali-schen; Liebe hält der Härte, der Furcht 2c. dasGegengewicht. Wir sehen ferner selbst, daß ebenwie im körperlichen eine erregte Bewegung einevorherige auf einmal gänzlich unterdrückt, auchdas nemliche im Moralischen geschehe. Bekannt