Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

117Sinnlichkeit in Schranken setzen wil, auch nachder Zeit glücklich seyn kan, so darf bey keinemChristen ein Gewissensdrang entstehen, einenFremden zu seiner Religion überzuführen. Jaaus dem vorigen §. erhellet, daß er diesen Ver-such nicht machen dürfe, indem er immerhin eherbefürchten muß, Uebel dadurch zu stiften. Underlaubt ist es dann doch nie Uebel zu thun, inder Erwartung, ob vielleicht Gutes daraus ent-stünde. Eine Maxime, welche gegen alle mensch-liche Klugheit, ja selbst gegen jeden Begrif vonGottes Güte, Weisheit und Almacht streitet, undzwar um so mehr, da der Mensch nie Herr überdie Resultate seiner Handlungen ist. (§. 23.)§ 22. Gnug daß Christi Lehre gerabe dasGegentheil lehret. Man kan kein Wörtchen, sodieser göttliche Lehrer gesagt hat, aufweisen,welches einen andern Endzweck verrathen hätte,als die in der Denkungsart von ihm unterschie-dene Menschen, durch Liebe zu gewinnen; durchdie blose Ueberzeugung, daß von seiner Lehrenicht allein ihr zukünftiges, sondern auch ihrreelles irrdisches Glück abhienge. Solte aberletzteres wahr seyn, und die Auswärtigen vondieser Warheit überzeuget werden, dann durftegar keines, auch nicht einmal ein nur anscheinen-des Zwangmittel zur Ausbreitung der Kirche ge-brauchet werden. Ueberal solte Liebe, Sanftmuthhervorleuchten. Dies solte in der chetstlichen Re-ligion eine solche Hauptsache seyn, daß ohne sel-bige alle andere noch ſo glänzende Gaben nichtanders, als ein tönend Erz und eine klingendeSchelle solten angesehen werden können. Ja,dieſe