116wie aus dem vorigen erhellet, seine Eigenliebebeleidiget, er wird empfindlich, mißtrauisch ge-macht. Jede Bemühung also den Menschen me-ralisch zu bessern, erweckt Liebe und Besserung;hingegen letztere Verachtung und Haß§. 21. Die christliche Religion fodert auchnichts weniger als ein Bestreben Proselyten zumachen. Alle drey geduldete christliche Religio-nen stimmen in dem Hauptartickel und erstenGrundsatz der Hofnung der Menschen darinüberein, daß nemlich der Mensch nach dem Todefortfahren werde zu leben, und daß sein zukünf-tiges Glück auf den Glauben an den Sohn Got-tes und dessen erworbenes Verdienst beruhenmüsse; und ferner die mindere, oder grössereStufe des zukünftigen Glückes von der mehrernoder mindern getreuen Anwendung der ihm vonGott in dieser Zeit verliehenen Gaben abhangenwerde. Er sol Rechenschaft von seinem Pfundegeben, und alsdann wird immer eine der erstenFragen seyn; wie er Liebe ausgeübt habe, dasiſt, wie er das Glück ſeines Nebenmenſchen zubefödern, jederzeit beflissen gewesen. Da nun diesämtlichen tolerirte Religionen dieses lehren, mit-hin der Mensch, wenn er nur dem ihm ertheil-ten Lichte getreu seyn, und nach selbigem seineSinn-Es verstehet sich von selbst daß ich hiedurch die Ausbrei-tung der Lehre Christi unter den Völkern, welche diesenoch nicht kennen, gar nicht behindert wissen wil. JederFrembder wird diese wohlthätige Religion, wenn sie ihmnur nach dem Sinn des Stifters gehörig vorgetragenwird auf die Dauer reitzend finden. (S. §. 22.)
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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