115a) Dergleichen Leute verwirren nachher meh-rertheils eines mit dem andern; eben wie der un-geübte Bauer es machen würde, dem man ma-thematische Warheit u vorsagen wolte, damit erlernen mögte richtigere Konsequenzen zu ziehen.Bringt man nun dergleichen Menschen an sol-chen theoretischen Nachforschungen Lust bey, sowerden sie mehrentheils Grühler, zuletzt Zwei-fler, oder wol gar Schwärmer. Sie sehen nundie Hülle, die Einkleidung der Religion für daswesentliche derselben an, und lassen den Kernfahren. Ihr Hauptwerk wird gewiß nicht seynin der rei=en auf Glauben an Christum gegrün-deter Gottesfurcht und wahrer Menschenliebe sichzu üben.b) Durch das Bemüben jemanden Zweifelgegen seine Religion einzuflössen, setzet man sichmehrentheils ausser Stand an dem eigentlichenGlücke desselben Menschen in der Folge zu arbei-ten. Jede redliche und kluge Bemühung, so mananwendet seinen Nebenmenschen moralisch besserzu machen, wird immerhin, so bald er wiederkaltblütig geworden ist, bey ihm Hochachtungund Dankbarkeit gegen den klüglich und schick-liche Zeit und Gelegenheit nehmenden Lehrer;und Nachdenken über sich selbst früh oder späthervorbringen: dergleichen Bemühung, wird alsoimmer ein zu hoffender Keim einer reellen Besse-rung seyn; man wird vielleicht eine Seele ret-ten. Das Gegentheil wird aber mehr utheils aufjede Bemühung erfolgen, die darauf abzielt einenfremden Religionsverwandten zu überreden zu ei-ner andern Religion überzugehen. Hiedurch wird,wieH2
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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