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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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114zu haben, ist in jedem Augenblick fähig, vielschwärzere Untreue gegen seine irrdische Wohlthä-ter, Anverwandte, Freunde und Nevenmenschenzu begehen, so bald er nur Nußen dabey vor-aussiehet. Hierin liegt die Entwicklung, warumdie mehresten Proselyten nachher doch immerschlechte, mehr oder weniger lieblose Menschen inder menschlichen Zusammenlebung sind und bleiben.Es ist daher 2tens klar, daß so bald maneinen Menschen einmal über die Warheit derSätze seiner dogmatischen Religion ans Wankenbringt, man denselben einer augenscheinlichen Ge-fahr aussetze, ein schlechterer, minder nutzbarerMensch zu werden. Ja, es ist demselben kaummöglich diesem zu entgehen, wenn er nicht nach-her wieder zur festen Ueberzeugung gelanget.3.) Einer der wichtigsten Gründe ist wolmit dieser: Die allerwenigsten Menschen habenhinreichende Fähigkeit und Kenntniße von Gottund ihrer eigentlichen Religion, daß sie fähigseyn solten, den Werth einer andern Religionmit dem der ihrigen nur einigermassen im Zu-sammenhange vergleichen zu können. Sie habenin ihrer Jugend ihren Katechismus auswendiggelernt und ihren Lehrern und Geistlichen blind-lings nachgebetet, weil sie sahen, daß ihre El-tern es eben so machten. Wil man nun nach-her diesen Menschen, die zu diesem Endzweck er-forderliche höhere theoretische Religionsbegriffebeybringen, so erfolgt leichtlich ja mehrentheilsein zwiefacher Schaden; nemlich2) Der-