114nöthiget sehen solte; ob ich ihn dadurch würklichzu einen bessern praktischen moralischen Menschenmache, oder auch nur Hofnung habe, daß er eswerde durch meinen Unterricht werden. Ausdem gleich vorhergesagten erhellet aber, daß mehrdas Gegentheil, und eher Haß als Liebe daherzu befürchten seye. Ausserdem aber wird auchnoch aus folgenden Ursachen der gute Endzwecknicht leicht erhalten werden. Denn, noch eheder, dem Anschein nach, oder auch für den Au-genblick würklich überführte, ganz deutliche Kennt-niße und völlige dauerhafte Ueberzeugung vondem wichtigsten Vorzuge der fremden Religionund nothwendigem Uebergang zur selbigen erhal-ten hat, wird das alte Vorurtheil öfters beyihm aufwachen, er wird anfangen nachzudenkenund nicht selten zu zweifeln, ja zu wanken. Vie-le werden alsdann in diesem traurigen Standihr ganzes Leben, oder einen grossen Theil des-selben zubringen und eben dadurch ungeschickt wer-den den pracktischen Nutzen zu stiften, welchensie ausser dem würden gestiftet haben. Anderewerden zuletzt dieser Zweifelsucht überdrüßig wer-den, und durch ihre Kurzsichtigkeit, oder wolgar durch unvorsichtige Führer bald zu dem ver-zweifelten Entschluß kommen, den ganzen Topfumzukehren, und werden sich nun ein Systemnach ihrem Gutdünken und Einsichten, und viel-leicht gar nach ihrer schon verderbten Sinnlich-keit machen. Wie oft dieses in unsern Tageneintrift und wie traurig die Folgen davon fürdie Menschheit sind, ist leider gar zu bekannt (*)(*) Man durchgehe nur die Lebensgeschichten derjenigenwelch-
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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112
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