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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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111durch erregte Wanken oder gänzliche Abweichendes einen, ist nun bey den übrigen neun' hun-dert und neun und neünzig mehr Bitterkeit,Härte, ja nicht selten Nachsucht, mithin ganzoffenbare Lieblosigkeit hervorgebracht: es ist folg-lich für die menschliche Gesellschaft dadurch einganz entſetzlicher Schade, und doch vielleicht auchfür keinen einzelnen einmal Nutzen gestiftet wor-den. Denn, es ist ganz sonnenklär, daß nichtdie eigentliche dogmatische, sondern die practischeTheologie es ist, welche die Menschen hier glöck-lich macht, und zu einem bessern künftigen Lebenvorbereitet. Erstere sol nur den Weg zeigen, wieman in der Vervolkommnung seiner selbst es im-mer weiter bringen könne. Freilich ein ganzwichtiger Umstand an sich, indem allerdings die-jenige Dogmatick, welche diesen Weg am vol-kommensten zeigt, auch das sicherste Mittel seynmuß die höchste Stuffe der Glückseeligkeit zu er-langen, welcher man fähig ist.Es ist aber ja ein von der vernünftig den-kenden Welt fast algemein angenommener Satz,daß Menschen von allen Religionen, auch selbstKanmbalen und andere in den Himmel kommenwerden, wenn sie nur dem hier erhaltenen Lichtegetreu geblieben sind und selbigem gemäß Gottgedienet, wie nicht weniger ihr und ihres Neben-menschen Glück zu befödern sich bemühet haben (1).Es kommt also einzig und allein darauf an,wenn ich einem Menschen in der dogmatischenTherlogie klärere Begriffe beyzubringen mich ge-nöthi-(*) Beweise hierüber kan man im 23ten Ephen lesen,