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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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109meist durch Drohungen und Strafen, aber dasChristenthum ziehet uns durch Ehre und Liebe.Nichts ist unsrer Natur angemessener, als dieses.Von religiösen Eltern werden den Kindern, sobald letztere etwas zu begreifen fähig werden, zuallererst die Begriffe der Religion, und zwar alssolche welche die allerwichtigste für das Kind,für seine ganze Existenz seyn werden, beyge-bracht. Ganz natürlich ist es aber, daß derMensch diese ersten am tiefsten eingewurzelten Be-griffe, die er nun als seine eigene ansiehet undzwar als solche ohne welche er in der Zukunftnicht glücklich seyn kann, am ungernsten nicht alleinabändert; sondern daß selbst bey den mehresten, einegewisse Zärtlichkeit des Gewissens und Schwäche desGeistes und daraus rührender falscher Ehrgeitz,jeden auch ganz entfernten Anwurf gegen die ein-gesogene Religion, unangenehm, ja nicht seltenganz unerträglich macht. Hierin liegt der vor-nehmste Grund, warum alle Religionsdispute sounnütz, ja schädlich sind und nicht selten zugrossen Uebeln Anlaß geben. Will der Menschin der bürgerlichen Gesellschaft glücklich leben,und das Glück seines Nebenmenschen befödernhelfen, einen Friedensstifter abgeben, dann mußer auch tolerant seyn; seinem Nebenmenschen,der andere Religionsbegriffe hat, als er, niedavon reden, und noch vielweniger selbige be-streiten. Es verstehet sich aber von selbst, daßhiedurch die freundschaftliche Unterredungen, wel-che zwei verschiedene Religionsverwandten, mitdem besten Vorsatz freywillig, über diese Materiehalten wollen, nichts weniger als unerlaubt seyen.Nur