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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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108der Gelegenheit, eben wie jeder anderer Mensch,der sich zu einer äussern geduldeten Religion be-kennet, alle Pflichten, so jeder Einwohner desStaats zu volbringen hat, erfüllen werde. Diesgehet mich aber gar nicht hier an, sondern ge-höret eigentlich in die Politick.§. 18. Wahre Toleranz schliesset aber nichtallein allen niedrigen Eigennutz platterdings aus;indem jeder Religionsverwandter verpflichtet ist,das physische Glück eines jeden auswärtigen Re-ligionsverwandten zu besodern, ihn zu liebenals sich selbst; sondern es gehöret hiehin einunermüdetes Bestreben den moralischen Zustandeines jeden Menschen, so viel am Menschen liegtzu bessern. Letzteres geschiehet theils dadurch,daß wir dem Nächsten mit einem guten Exempelvorgehen, und auf solche Weise schon stummeLehrer abgeben; theils aber auch daß wir beyjeder schicklichen Gelegenheit uns bemühen, seinemoralische Begriffe aufzuklären, ohne aber je da-bey die Sätze, welche den Religionsunterschiedbetreffen, zu berühren.§. 19. Die wahre und jedem Christen an-ständige Toleranz ist, also nichts weniger alsGleichgültigkeit gegen den eigentlichen moralischenWerth eines jeden Menschen. Sie schliesset aberjeden Trieb Proſelyten zu machen, das iſt, frem-de Religionsverwandten zu überreden zu der sei-nigen überzugehen, gänzlich aus; am allerwe-nigsten können Zwangmittel hiemit bestehen. Dasintolerante Judenthum zog zwar die Menschenmeiſt