Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106Seite auf Glauben an Gott ankommt; und dieRemheit des Glaubens auf deutliche Erkenntnißberuhet, sich stets angelegen seyn lassen, seine Kennt-niße in allen denjenigen Punkten, wovon er dieGründe einzusehen vermögend ist zu erweitern:und die von Gott geoffenbarte Religionsgeheimnißezu glauben, ohne darin zu grüblen. Er wird da-her den öffentlichen Gottesdienst nicht meiden,sondern wo es nur möglich ist durch denselbenseine Kenntniße zu erweitern, seine Seele zu er-bauen, zu Gott seinen Schöpfer sich empor zuschwingen und auch durch sein Beispiel anderedorthin zu locken, sich bemühen: und auf die Weise dieüberzeugendste öffentliche Beweise von seinem Glau-ben an Gott ablegen. Und da es an der andernSeite in seinen Pflichten gegen seinen Nebenmen-schen auf Lauterkeit der Absichten, warum er sound nicht anders gegen ihn handelt, blos undallein ankommt; so wird er sich gewiß, wenn eres anders aufrichtig mit sich selbst meinet, be-streben, den physischen und moralischen Zustandaller seiner Nebenmenschen, so viel an ihm ist zuverbessern. Sicherheit, Stolz, Ueberhebung,Haß, Verfolgung werden ihm frembde Empfin-dungen seyn. Er wird ihren Keim durch seineErkenntniß und die Erinnerung an seinen Vor-gänger, indem er seine Seele im Gebet zu seinenGott empor schwinget, in ihrer ersten Geburt er-sticken. So seelig sind die Folgen, für denMenschen in sich selbst, und für das ganze Zu-sammenleben, die aus diesem System entsprin-gen. Wie ſehr iſt doch die Religion Chriſti demganzen Glück des Menschen angemessen! Manmuß eben so verstockt wie ein Jude, und ebense