105rin noch schwach ist und einigen Werth darinnoch setzet, hinderlich seyn letzteren zu gewinnen.Denn da der freie Christ weiß, daß die Beob-achtung des äusseren in sich nichts wesentlichesist, so wird er diese Scrupeln seines Nebenmen-schen ohne des letzteren ausdrücklichen Willennicht allein nie berühren; sondern er wird selbstdem Rathe und Exempel des Apostels gemäß(§. 4. S. 32. u. f.) sich in allen denen äusserenGebräuchen, in so fern es sein Gewissen zulässet,(§. 8. N. 1. 3.) seinem zweifelnden Mitchristengleichstellen; um sich nur ja nicht ausser Standzu setzen, an der moralischen Vervolkommnungdesselben hinführo mit Nutzen arbeiten, und ihmbei aller Gelegenheit zeigen zu können daß erihn aufrichtig liebe, und zwar als ein apostoli-scher freier Christ; der mit dem Apostel den End-zweck warum ihm diese Freiheit ertheilet ist, sichnemlich um so mehr in der Liebe üben zu kön-nen, aufs lebhafteste fühlet; gleichwie solchesder Apostel Paulus bezeuget (a) "Ihr aber lie-ben Brüder seyd zur Freiheit berufen. Alleinsehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleischnicht Raum gehet: sondern durch die Liebediene einer dem andern. Denn alle Gesetzewerden in einem Wort erfüllet, in dem:Liebe deinen Nächsten als dich selbst.,Ein durch diese Erkenntniß aufgeklärter, sichfrei fühlender und nur allein durch das liebreicheGesetz Christi gebundener Mensch, wird nun daer weiß daß es in der Religion an der einenSeite(4) Br. a. d. Galater 5. 13.14
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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105
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