Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

99vorhingesagte, als auch die Folgen so aus jedemdieser beiden obigen Sätzen nothwendig entstehenmüssen, ohne Vorurtheil damit vergleichet, dann wirdman sich ohne Fehl für letzteren Satz entscheiden.Die Folgen so nemlich aus ersterem Satze fliessen,sind diese:Erstlich: Wenn nur allein eine gewisseEinkleidung der chriſtlichen Religion die Möglich-keit des Besitzes himmlischer Güter ertheilen kan,dann sind sämmtliche Anhänger dieser Einklei-dung in ihrem Gewissen ohne einige Ausnah-me verpflichtet, da wo sie durch Güte nichtsgewinnen können, durch Strenge ja die aller-strengsten Mittel die Menschen zu zwingen sichihren Gebräuchen zu fügen. Ich sage noch ein-mal, es kan hier sodann keine einzige Ausnah-me statt finden; denn ein jeder Bekenner ist esin dem Fal Gotte schuldig, alle seine physischeund moralische Kräfte anzuwenden, so viele See-len zu retten als nur möglich ist; wenn solchesschon den völligen Ruin des physischen Zustandesja gar der physischen Existenz solcher Menschennach sich ziehen solte. Wenn der Bekenner die-ser Religion die Elteren nicht überreden nochzwingen kan zu seiner Religion überzugehen, dannmuß er doch ihre Kinder wegstehlen und selbigean einen sicheren Ort hinbringen, sie in seinerReligion aufziehen lassen und auf solche Weiseihnen die Möglichkeit verschaffen ins Himmel-reich zu kommen. So bald diese Ueberzeugungden Menschen eingenommen hat, muß der Sohnwider seine den nemlichen Glauben nicht habendeElteren sich anflehnen, und sie mit HintansetzungG 2