100.ja Aufopferung ihres physischen Glückes, wennes nur möglich ist, zu seiner Religion überzu-gehen zwingen. Ja ein solcher Rechtglaubigermuß diejenigen Menschen ausser seiner Religiondie übrigens ganz tugendhaft und fromm gelebethaben, und wäre es auch mit dem Messer in derGurgel zwingen, noch vor ihrem Tode sich zuseiner vermeintlichen allein rechtglaubigen Kirchezu bekennen; damit sie doch nicht umsonst frommgelebet und auf Gott in Christo ihr Vertrauenvergeblich gesetzet haben möchten. Diese Em-pfindungen, wie hart selbige auch lauten, müssendie Empfindungen eines jeden rechtschaffenen Men-schen seyn, der sich von einer solchen Warheitnemlich dem Ausschliessungsrecht so seine Kirchedem Menschen auf den Himmel giebt, überzeu-gek hat, wenn er anders seiner Ueberzeugung ge-treu seyn wil; und das sol doch jeder Menschseyn. Das Grundgesetz der christlichen Religion,die Liebe des Nächsten gebeut es ihm ohnedes,denn ein jeder ist nach diesem verpflichtet, jedenSchaden also um so mehr den ewigen Verlustder Glückseeligkeit seines Nebenmenschen auf alleWeise zu behindern, wenn schon derselbe seineirrdische Glückseeligkeit, die ein unendlich minde-res Gut ist, darüber verlieren solte. Daß der-gleichen enthusiasmische Zeloten würklich existiretund diesen Satz nach ihren Kräften auszuführen,mit einem Wort, ihre Religion mit Feuer undSchwerdt auszubreiten sich bemühet haben, leh-ret die Geschichte mit unzähligen schauderndenBeispielen. Eine zweite Folge ist, daß man beioben bemeldten erstem Satz nothwendig einemoder mehreren Menschen die Unfehlbarkeit zu-schreiben
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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