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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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96tet seyn: dabei sol aber der Mensch, den Erfolgseiner auch auf die beste Absichten gegründeterBemühungen nie sich selbst, sondern jederzeit derEinrichtung der weisesten Vorsehung zuschreiben.und daher bei entdecktem guten Erfolg nicht sichselbst, sondern Gott allein die Ehre geben. Dievom Apostel so sehr angedrungene Reinigung vonder Befleckung des Fleisches und des Geistes istfolglich nichts anders, als die Reinigung der Ab-sichten der Menschen in ihren Handlungen. Hierentdeckt sich also für jeden Christen der wahreProbierstein für den Werth oder Unwerth einesjeden Theils seiner äusseren Religion. Alles wasihn nemlich nicht ansetzet, aus reinem Triebe,Gotte seinem Schöpfer und einzigem Gutthäterzu Ehren, algemeinnützig zu seyn, ist kein got-tesdienstliches, mithin kein Gottgefälliges, daherauch kein dem Menschen nützliches Bemühen; son-dern für denselben Zeitverlust; folglich hinderlichja sündlich. Wie leicht entwickelt sich hiebei dieLehre von den guten Werken, die doch so vielStreit verursachet hat! Wie traurig ist es, daßman sich über solche deutliche und doch so garwichtige ja allerwichtigste Sachen, so sehr herum-fechtet, und meistens in die Luft streicher!§. 15. Da nun die Auslegungen und An-wendungen derjenigen Stellen in der heil. Schrift,worüber von den verschiedenen Parthien gestrittenwird, (§.1.) natürlicher Weise von jeder Parthienach ihren verschiedenen Einsichten und Vorur-theilen eingerichtet werden, folglich hierüber ohnenähere Offenbarung der Mensch nie zur Gewiß-heit gelangen kan, sondern jederzeit nur bei demihm