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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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Werke, bei den Almosen, dem Beten 2c. wün-ſchet daß andere Leute dieſes ſehen und ſie dannso viel mehr schätzen möchten, veredelt sich da-durch gar im geringsten nicht. Sie kommt ihremSchöpfer dadurch nicht näher, sie schwingt sichnicht empor, sondern sie bleibt am sinnlichen kle-ben und bleibt dieselbige welche sie vorher war:ja, an statt daß dadurch mehr Liebe, Vertrauenauf Gott, und algemeine Menschenliebe, mithinhöhere göttliche Begierden in derselben erreget wer-den solten, kann es nicht anders seyn, als daßdadurch die sinnlichen Begierden vielmehr zuneh-men. Es wird mehr Hang am irrdischen, jaStolz, Ueberhebung über andere daraus fliessen.Der Lohn dafür kan sich also nicht jenseits desGrabes erstrecken, denn da höret alles sinnlichedieser Welt auf, und hat keinen Nutzen mehr.Der Endzweck der Religion wird also gänzlichdurch dergleichen fälschlich vermeinte gute Werkeverfehlet. Denn Gott kan und wil nur alleindie Absichten der Menschen, warum sie nemlichso und nicht anders handeln, und nicht den Er-folg ihrer Handlungen belohnen. Letzteres wäreungerecht, da selbiger nicht vom Menschen ab-hängt. (S. §. 23.)Die Reinigung, oder wie der Theologe sagt,die Heiligung der Absichten der Handlungen desMenschen ist daher der eigentliche Vorwurf derpracktischen christlichen Religion. Eine jede Hand-lung eines Menschen sol nemlich dem Willen Got-tes, d. i. der dem Menschen durch Christum ge-offenbarten Religion gemäß, auf's beste aller Ne-beumenschen ohne eine einzige Ausnahme, gerich-tet