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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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93beim geistlichen Leben. So wenig aber auch Be-wegung, Pulsschlag ꝛc. das thierische Leben selbst;oder der Schein eines Lichtes, das Licht selbst ist,eben so wenig sind die guten Werke, das geistigeLeben. Sie sind nur blosse Resultate: oder wiePaulus sagt, sie sind die Frucht desselben. (a)Nach Maasgabe nun daß das geistige Leben,der Glaube lebhafter, mithin die Erkenntnißdeutlicher und die Ueberzeugung gewisser wird,desto stärker und ausgebreiteter werden auch des-selben Zeichen seyn, d. i. desto mehr gute Wer-ke wird ein solcher Mensch thun. Er wirdselbige aber alsdann thun, ohne zu wissen, daßer selbige gethan habe, ohne sich nemlich daranzu erinneren, und darauf stolz zu seyn, oder sichdarauf zu verlassen. Er braucht daher, wenn erso weit gekommen ist keinen fernern Trieb dazu, son-dern er thut selbige aus innerem Trieb als einerFolge seiner inneren Geistesbeschaffenheit, nicht inHofnung der Belohnung oder Vermeidung derStrafe, sondern in dem Gefühl daß dies billig undgerecht, mithin für ihn und andere nützlich ist.Dies ist der Sinn der Religion Christi über gu-te Werke.Hiebei entwickelt sich der Grund des ge-rechten Ausspruches Christi über alle die gutenWerke die man öffentlich aus dem Vorsatze thäte,daß selbige von den Leuten möchten gesehen wer-den, wo er so wol über das öffentliche Almosengeben, als öffentliche Beten sagt. (b) Sie ha-ben(a) Brief a. d. Galater 5. v. 22.(b) Evang. Matth. 6, v. 2. und 5.