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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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88er in seiner Jugend fremde Religionsverwandtenangesehen und von ihnen gedacht habe. Er wirdsich gewiß schänfen. Sahe er in einem fremdenLande, unter lauter fremden Religionsverwandteneinen der seine eigne Religion hatte, so war sel-biger ihm lieber, als alle andere, wenn schondessen Moralität keinen Heller werkh war. Wiestimmt dieses mit dem Ausspruch des Heylandes,an den Früchten sollt ihr den Baum erken-nen; also nicht an der äusseren Gestalt.§.12. Es ist aber eine, nicht allein äusserst wich-tige, sondern sehr beschwerliche Sache, diese Ein-kleidung, und Auswahl wie auch besondere Vor-stellung der Bewegungsgründe der Religion nachjedem Zeitalter gehörig einzurichten, damit nichtder Mensch an der einen Seite durch überflüßigeCeremonien abergläubisch werde und die eigent-liche wahre Art Gott im Geist und in der War-heit zu dienen aus dem Gesicht verliehre, oderer an der andern Seite in Unglauben und Leicht-sinn gerathe. In Unglauben fält er nemlichleicht, wenn er einmal die Nichtigkeit ja öftersUngereimtheit einiger angenommenen Ceremonienbemerkt; und da er das wahre vom falschen nichtabzusondern im Stande war, eines mit dem an-dern darüber wegwirft. Leichtsinnig wird eraber, wenn er den Gottesdienst nach seiner ver-derbten Einbildung und Sinnlichkeit einrichtet.§. 13. Eine der Receptivität der Menschenangemessene Einkleidung der höheren Religions-lehren ist also für die allermehresten Menschendurchaus nothwendig, wenn diese Lehren bey ih-nen