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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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87schen aufgekläret und derselben Wille zum Gutengelenket, mithin der ganze Mensch gebessert wor-den seyn. Liebe gegen Gott; und Liebe, Dul-dung des Nächstens würde sodann seine Haupt-empfindung, als das Hauptkennzeichen der Re-ligion Christi gewesen und geblieben seyn; wo-hingegen nach und nach vielmehr Unterdrückung,Zwang, ja offenbare Verfolgung der Mitchristen,wenn selbige nicht die nemlichen von den Geistli-chen verordnete Ceremonien mitmachen wolten,sich einschlichen und in mörderische Ketzerkriegeund unvernünftige Kreutzzüge zuletzt ausbrachen.Der Mensch hängt nemlich vermöge seiner Naturnicht allein ans Sinnliche, sondern er liebt allediejenigen, die hierin ähnliche Neigungen äussern,und sondert sich im Gegentheil von denen ab,die dergleichen Neigungen mißbilligen. Je gröſ-seres Gewicht nun der Mensch in eine oder an-dere dieser Neigungen setzet, je stärker wird seineZu=oder Abneigung gegen den Menschen, der mitihm in dieser Meynung entweder harmoniret oderdisharmouiret. Wir bemerken diesen Unterschiedganz deutlich im gemeinen Leben. Die Zu= oderAbneigung eines Menschen gegen den andern, diesich nur auf eine gewiße blosse Neigung zu irgenderwas sinnlichem gründet, ist lange nicht sostark, als wenn selbige schon auf den Unterschiedder Sitten, oder welches einerley ist, der Lebens-art beruhet. Noch viel stärker aber zeiget siesich so bald wie selbige zwischen zween Menschenentstehen, welcher Hauptkenntniße der Religionund folglich vornehmster Gottesdienst in äusser-lichen Ceremonien bestehen. Ein jeder, auch deraufgeklärteste, der toleranteste untersuche sich, wie