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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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86indem sie in dem Wahn stunden, sie könnten undmüßten Gott recht viele Ehre anthun, der Re-ligion eine Menge Menschensatzungen, gesetzlicherHandlungen hinzu; diese fanden sie um so nö-thiger, weil die Lagen den eigentlichen Werthder Religion nicht mehr durch die Kräfte ihresVerstandes einzusehen, und wegen der Verfolgungselbige noch weniger zu erlernen vermögend wa-ren. So entstand dann nach und nach ein ce-remonieler, ein gesetzlicher Gottesdienst, welchenChristus doch ausdrücklich abgeschaffet, und denMenschen so himmelklar gezeiget hatte, daß hie-durch die moralische Vervolkommnung des Men-schen nicht erlanget werden könne. Ausser diesemverfielen die Menschen nach und nach zu anderenerschrecklichen Irrthümern, wie die Lehre der sogenannten Puristen unter andern zeiget, welcheden Gott verunehrenden Satz behaupteten; derMensch müße Gott lieben, wenn er schon vonGott verdammet würde.§. 11. Jedoch, wo fält der Mensch in sei-nen Schlüßen nicht hin, wenn er einmal auffalsche Vordersätze bauet. Hätte man, und diessolte doch jeder Lehrer thun, die simplificirte undvom sinnlichen so viel wie möglich abstrahirteGrundwarheiten der Religion Christi zur Grund-lage geleget, und aus selbiger als dem Axioma,die anderen Sätze als Corollarien nach den Ge-setzen der Logick gezogen, dann hätte man alleIrrthümer verhütet; und so bald man solche mitnöthiger Menschenkenntniß nach der Receptivitätder Menschen für welche man sie bestimmte ein-gekleidet hätte, würde der Verstand der Men-schen