so sehr seinen ganzen Werth, als der ReligionJesu zweckwidrig abgesprochen hatte, ja bei derdurch anhaltende Verfolgung gewissermaßen fastganz unterdrückter Menschheit, * der eigentlichewahreUm dem Leser zu zeigen, daß ich die Ausdrücke hiernicht übertrieben habe, wil ich demselben nur einigewenige Geschichten als Beweise, aus dem ersten Theildes noch in diesem Jahr in Paris herausgekommenenwichtigen Werks, l'Esprit des Croisades ou histoire poli-tique & militaire des guerres entreprises par les Chretienspour le recouvrement de la terre sainte, pendant les XI. XII.& XIII. siecles, anführen: Der griechische Kaiser Baü-lius ließ einen hinrichten der ihm auf der Jagd das Le-ben rettete, weil er gegen den Kaiser das Schwerd hattezucken müssen. Von der Unwissenheit und von dem Haßder Mönche gegen die alten klaßischen Autoren wirdS. 359. des zweiten Theils aus den Consuetadinibus Mo-nast. Cluniac., die zu Ende des eilsten Jahrhunderts ge-sammlet worden eine auffallende Geschichte mitgetheilet.Ein Mönch, der sich einen alten klaßischen Schriftstelleraus der Klosterbibliotheck ausbitten wolte, durfte seineBitte nicht nur durch das Zeichen desjenigen Gestus aus-drücken, womit man überhaupt ein Buch foderte, sonderner muste das Ohr mit der Hand berühren, sicut canis cumpede pruriens solet, quia non immerito infidelis cum talianimanti comparatur. — Als der berühmte Kreutzungspre-diger Petrus Eremita, vor den Synoden zu Piacenza undClermont überal herumreiste, um die Gemüther zu derpäbstlichen Proposition vorzubereiten, trieb man die Ver-ehlung so weit, daß man dem Esel, auf welchem er ritt,die Haare als heilige Reliquien ausraufte. — Catharinavon Medicis that, um sich des Himmels Seegen für eingewisses Projeckt zu verschaffen, das feierliche Gelübdeeinen Pilgrim nach Jerusalem zu schicken, der auf seinerWalfarth bey jeden drey Schritten, die er vorwärts ge-than, wieder einen zurücktreten solte. Ein Landmann ausder Pikardie übernahm die Ausführung des Gelübdes: dieKönigin schenkte ihm zur Dankbarkeit bey seiner Rückkunstden Adel. Hiebei kan ich nicht anders als mit wahrerWeh.
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten