mehr ordentlich zusammenkommen konnten, wares natürlich, daß der Unterricht seltner, mithindie Aufklärung minder werden muſtte. Diesgieng, wie wir aus der Geschichte ganz unleug-bar wissen, zuletzt so weit, daß selbst diejenigen,so das Volk lehren solten, nicht einmal die Ur-sprache des Religions Unterrichts kannten, undnoch weniger fähig waren diejenige Einkleidungdes Religions Unterrichts, welche im Anfangnöthig gewesen war, um denselben dem Volke,welchem er zuerst gegeben wurde, begreiflich undannehmlich zu machen, einzusehen und die hievonabgesonderten Sätze dem Volk nach ihrer Recep-tivität vorzutragen. Dies gieng bey den so langeanhaltenden Verfolgungen so weit, daß nur nochin einigen wenigen Klöstern, einige wiewol höchst-unvolkommene Kenntniße der eigentlichen Religionbeybehalten wurden. Man las die lateinischePsalmen, Evangelien und Episteln und weiternichts. Hatte man doch noch hier und da einenKommentar, so wurde selbiger zwar in den Klö-stern vorgelesen, allein so bald in demselben et-was in der Ursprache vorkam, so blieb solcheszurück, es hieß: græca sunt, non leguntur.Fleury sagt deshalb, daß bei ihnen nur derNahmen und das äussere Ceremoniel eines Chri-sten übrig geblieben wäre. Nur Glück genug,daß auf diese Weise die Manuscripten für dieNachwelt den Händen der alles verwüstendenBarbaren entrißen wurden. Wie könnte manaber noch wol erwarten, daß bey dieſem Mangelan Grundkenntniß der Religion selbst, bey allerder Einfalt, und dem übergebliebenen Rest einesnur blossen sinnlichen Gottesdienstes, dem Paulus8 2
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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