78ihre Pflicht alles zu prüfen, und das gute zu be-halten; aber auch an der andern Seite muß je-der Christ, er mag Geistlicher oder Laye seyn,die Warheit folgender Bekenntniß fühlen, wil eranders Christi Sinn haben: Wir dienen alle ei-nem Herren; wir werden alle von einem Herrengerichtet werden: Dieser ist allmächtig und alssolcher hätte er alle Menschen können den nem-lichen Weg wandeln lassen, aber dies war seinerWeisheit nicht angemessen. Er ist auch gerecht,mithin wird er jeden bestrafen und belohnennachdem er mit Anwendung des ihm verliehenenTalentes getreu oder nachläßig gewesen ist. Dieseverschiedenen Talente kenne ich nicht und kanalso selbige nicht beurtheilen. Er verbeut auchausdrücklich überal, dies nicht zu thun. Es istmir derohalben gnug, daß er mir Gelegenheit ge-geben hat meine Pflichten kennen zu lernen. Ichsol nemlich Gott lieben als meinen Schöpfer undewigen Gutthäter; und gegen meine Nebenmen-schen mich so verhalten, wie ich als ein vernünf-tiges Geschöpf mit Recht wünschen kan, daß siesich gegen mich verhielten. Diese Pflichten wil ichmir suchen aus den Vorschriften meines göttlichenLehrers und Vorgängers, immer klärer, einleuch-tender zu machen, und durch Gotteskraft in derThat überal auszuüben mich bemühen, und dannim Glauben an Christum ruhig sterben. Diesesist die einzige, aber auch die wahre dem WorteGottes ganz und allein angemessene Grundlage,auf welcher eine Vereinigung aller christlichen Re-ligionen gebanet werden kan. Wer die Recht-schaffenheit und Warheit dieses der Religion un-ſeres Erlöſers ganz angemeſſenen Bekenntnißesein-
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten