denschaft sich der grösseren Anzal der Mitgliederbemächtigten. Ich wiederhole deswegen noch ein-mal: alle diejenigen, die dergleichen Schlüße undVorschriften verfertigen, sind und bleiben, wennschon mit den lautersten Absichten, dennoch Men-schen; Ihre Schlüße müssen daher auch das Ge-präge der Menschheit behalten. (*) Diese unwi-dersprechliche Warheit muß jeder Kirchenversamm-lung Toleranz und Nachsicht gegen die andereneinflössen. Es bleibt an der einen Seite immerihregen Grund, welcher von Gott geleget ist, nemlich aufChristum sich gründen! Wie geschwind würde man sichdann über die Religionsgeheimniße, die unsere Kräfteeinzusehen noch weniger vermögend sind als die gesammteKräfte der physischen Welt mit dem Verstand zu umfassen,vergleichen! und wie einig würde man alsdenn über denEndzweck der nöthig zu gebenden Vorschriften in Rücksichtauf die äussere Mittel seyn! Man würde sich in dem Falan die verschiedene Vorschriften derselben in verschiedenenLändern eben so wenig stossen, als man es jetzt an derverschiedenen politischen Einrichtung der Länder thut.Man würde überal, wie im politischen, die Vorschriftenprüfen und aus jeder das beste wählen, nemlich das wasam mehresten zur moralischen Vervolkommnung beitra-gen könnte. Man würde so dann mit dem Apostel überalle Christen Friede ausrufen, indem sie nun alle nach derRegel Christi, nicht mehr als Knechte von verschiedenenSatzungen und Gebräuchen, sondern als freie einher-gehen würden.Jacobus drückt dieses recht schön aus in seinem Briefim 3ten Hauptst. dem 17. Vers, "Die Weisheit aber, dievon oben herab kommet, ist vors erste rein, darnachauch friedliebend, bescheiden, gelehrig, (bessern Un-terricht gern annehmend; also nichts weniger alsEin ihrem Sinn unfehlbar) vol Barmherzigkeit undguter Früchte, machet keinen Unterschied der Personen,und ist frei von aller Heuchelei.
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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Seite
77
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