Druckschrift 
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

71und sehr dunkel ist, und er überdem die sinnlicheErgoͤtzungen für das angenehmste gehalten, mit-hin die höheren geiſtige Empfindungen faſt garnicht kennet, so verfält er nothwendig alsdennals ein sinnlicher Mensch, auch auf sinnliche Mit-tel. Bei dieser Empfindung seiner Vergehungen,möchte er gerne leibliche Martern ausstehen ja sichbrennen lassen, wenn er nur Vergebung der Sün-den und Zusicherung eines künftigen glücklichenLebens erhalten könnte. Wenn nun dieser sinn-liche, von dem wahren Wege auf welchem manGotte näher komt, so sehr entfremdete Mensch,diesen Mangel an Erkenntniß, und gänzliche Un-möglichkeit auf diesem Wege zu seinem Endzweckzu gelangen, nicht bei Zeiten einsiehet, dann fälter von einem sinnlichen Mittel auf das andere;er macht sich eine Satzung nach der andern.Diese mögen für ihn noch so beschwehrlich, nochso unangenehm seyn, so scheinen ihm selbige dochviel thunlicher, als die simpele und so leichteinleuchtende Methode des Heilandes, nemlichihn als seinen Herren zu erkennen, und nach sei-nem Beispiel, durch Gehorsam an Gott, denHang zur übertriebenen Sinnlichkeit überwinden,und dergestalt an der Aenderung seines Herzenszu arbeiten. Je grösseren Werth nun der Menschins sinnliche gesetzet hat, desto beschwerlicher wirdes ihm von dieser Warheit sich zu überzeugen.Er entlehnt immer seine Begriffe vom sinnlichen,und vergleicht damit seinen moralischen Zustandund die Mittel welche er glaubt zu dessen Ver-besserung anwenden zu können. Er kan die War-heit.