70aufgeklärten, welche diesen Unfug einsehen, sichsehr klüglich und vorsichtig betragen. Denn, wennder einfältige Christ auf eine solche Vorschriftviel gehalten hat, und nachher einsiehet, daß erirre war geführet worden, dann wird er sehr oftin seiner ganzen Religion verwirrt, und bindetsich in der Zukunft an gar nichts mehr. Mit ei-nem Wort, er wird alsdann ruchloß. Oder,wenn dieser einfältige Christ durch ein Vorurtheildes Ansehens geblendet, fortfähret den nemlichenWerth in solcher Vorschrift zu setzen, und erselbst von seinem Geistlichen aus Einfalt, oderschlimmerem Grund in seiner Meinung bestärketwird, dann kan Empörung gegen den Reforma-toren, mithin Entzweiung, Zank und noch schlim-mere Folgen daraus entstehen. Wenn also der-gleichen viel grössere Uebel und Aergerniße ausder Bemühung eine solche evangelischwidrigeVorschrift abzuschaffen entstehen solten, dannmuß sehr behutsam und langsam damit verfahrenwerden, um solchem grösseren Unheil vorzukommen.Im ganzen aber ist nichts natürlicher, alsdaß nach und nach der Mensch in seinen äusse-ren Religions Uebungen vom rechten Wege ab-kommt und sich selbst Wege zur Glückseeligkeitzu gelangen erfinne. Der sinnliche und dadurchöfters sündigende Mensch, sucht sich, so bald erseine begangene Sünde gewahr wird und dersel-ben schlimme Folgen fürchtet, oder zum Theilschon fühlet, auf alle ihm nur möglich anschei-nende Arten zu helfen. Da nun seine Ueberzeu-gung von der Warheit der deutlichsten Vorschrif-ten Christi, zur Seelenruhe zu gelangen, schwachund
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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70
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