66Nächsten zu lieben; als sich selbst. Hierauf be-ziehet sich ferner der Ausspruch des Apostels (a)Was nicht aus Glauben geschiehet, das istSünde. Nemlich, was nicht mit völligster Er-kenntniß und Ueberzeugung geschiehet, daß solchesdem Willen Gottes gemäß ist, das ist unerlaubt.Es kommt also hier einzig und allein auf die aufmöglichste Erkenntniß gegründete Absichten an.Zweytcus. Eine von der Kirche gegebeneVorschrift kan, wegen ihres Alters da sie nun ih-rem Endzweck, wegen ganz veränderter Umstän-den nicht mehr entspricht, alles bindende verlie-ren. Ich habe oben gezeigt, daß nach der be-sondern Denkungsart und Vorurtheilen unter ei-nem oder anderrn Volk, in einer oder anderenPeriode, wenn die Religion den Verstand auf-klären und den Willen zum Guten lenken sol,die Einkleidung und sinnliche Darstellung verschie-den eingerichtet werden müsse. Daß aber jedeEinkleidung der Religion und sinnliche Darstel-lung derselben nichts anders wie Mittel sind umdas wesentliche, das unabänderliche in der Reli-gion zu nutzen, und daß dieß auf keine andereWeise geschehen könne als durch moralische Auf-klärung, braucht sicher keines Beweises mehr.Aus diesem und dem vorhergesagten wird es alsoklar, daß diese Vorschriften zuweilen abgeändertwerden müssen. Hieraus folget daher der Schluß,daß die Kirche nie eine beständig bindendeVorschrift geben könne. Die Concilien, Con-feßionen und Synoden können also gar nicht fo-dern,[a] Br. a. d. Römer 14. v. 23.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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66
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