65und ihrer Brüder moralischer Zustand dadurchverbessert werden kan. Weil aber der ungeübteund nicht gnug unterrichtete. Christ dieses für sichwegen seiner eingeschränkten Einsichten nicht beur-theilen kan, so ist es auch für die aufgeklärtereChriſten, Pflicht gegen ſolche von der Kirche vor-geschriebene äussere Mittel, von denen sie zwarfür sich keinen Nutzen erhalten zu können über-zeuget sind, sie aber doch auch sehen, daß solcheschwächeren und einfältigen Christen noch Nutzenauszuliefern im Stand seyen, sich auch äusserlichdergestalt zu betragen, daß nicht der schwache ein-fältige Christ dadurch könne versuchet werden,dieses für ihn noch mögliche Aufklärungsmittelzu unterlassen und diese Gelegenheit sich zu bessernzu versäumen; oder wol gar gegen seine Ueber-zeugung eine Handlung zu begehen, oder zu un-terlassen, die er Gott schuldig zu seyn glaubte.Folgende Vorschriften der H. Schrift müssen hierden Probierstein ausliefern. (a) “Alles was ihrthut, so thut alles zu Gottes Ehren., Nunkan aber kein Mensch noch irgend ein GeschöpfGotte Ehr anthun, (*) d. i. seinen Zustand herr-licher machen; mithin kan dieses nichts andersbedeuten, als alle Handlungen dem Willen Got-tes gemäß einrichten. Dieser befiehlt, Gott imGeist und in der Warheit anzubeten, und denNäch-(a) 1. Br.a.d.Corinth. 10. v. 31.* Ich bin überzeugt, daß der größte Theil der übertrie-benen Ceremonien, und verschiedenen von Gott gar nichtvorgeschriebenen ähnlichen Gottesdienstlichen Handlun-gen, aus einer solchen falschen Vorstellung von dem,was wir Gott schuldig sind, und dafür solten leistenkönnen, entspringet.
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten