63daher, so zu sagen, ganz anderer Lehrmethode,wenigstens ganz anderer Einkleidung der ihm vor-zutragenden Sätze bedürfe; eben so wie im na-türlichen, die nemlichen Krankheiten unter ver-schiedenen Himmelstrichen öfters ganz besondereKurart erheischen. Man siehet also, daß obschondie Religion Christi für alle Menschen und Völ-cker, sie möchten sich noch so entgegengesezte Na-tionalcharacktern haben, seyn solte, dennoch der-selben äußere Einkleidung und sinnliche Bewegungs-gründe, welche nöthig waren, um die Menschenauf diese Lehre aufmerksam, sie ihnen angenehm,ja annehmungswürdig zu machen, auch nachden besondern Verfassungen der Völker und daherrührender verschiedener Receptivität auch verschie-den ſeyn müßen..Solte also der erwartete Nutzen dieser alge-mein einzuführenden Religion, nemlich die mög-lichste Vervolkommnung durch Erkenntniß und An-nehmen dieser Religion algemein erhalten werdenso muste entweder Gott hierüber für jedes Volk,ja für jedes Zeitalter eine besondere Vorschrift ge-ben; oder den Menschen solches nach derihnen von ihm ertheilter Klugheit einzurich-ten überlassen. Daß er lezteres in der Re-ligion Christi gethan, habe ich oben (§. 3.) er-wiesen. Und da nun diese Freiheit den Menschen gelassenwurde, um nemlich den äußeren Gottesdienst inso fern er Mittel zur Erreichung des eigentlichenEndzweels der Religion nemlich Vervolkomungder moralischen Kräfte seyn kann, nach ihren Ein-sichten und den Umständen ilüglich einzurichten,so muste selbst schon dadurch eine solche Einrich-tung
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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