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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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mein als gut solten erkannt und befolget werdenkönnen, auch unter verschiedener Form und Einklei-dung nach den besondern Umständen der verschie-deuen Völker und selbst nach den verschiedenenZeitläuften ganz anders eingezichtet werden, wennman den Verstand dadurch aufklären, das Herzrät-ren und den Willen bessern wolte. Die allerwenig-sten Menschen sind nemlich, theils wegen Man-gel an natürlicher Fähigkeit, theils Mangel anhin reichendem Unterricht und Uebung, in Standeine simplificirte und rein frünlichen so sehr abstra-hirte Wissenschaft in ihrem Umfange zu begreifen.Noch weniger gehet dieses in der Lehre von un-sern Pflichten gegen Gott an. Die allerwenigstenMenschen besitzen hinreichende Kenntnisse von Gott:der natürlichen sowol, als der von ihm den Men-schen geoffenbarten Religion, und sind so weniggeübet hohere Begriffe haben, durch Abstraktionvom gröbern sinnlichen zu erlangen, daß man sichvon ihnen versprechen dürfte, durch dergleichensimplificirte und vom gröbern sinnlichen gereinig-te Sätze, in ihrem Verstande hinreichende Grün-de zur Bestimmung des Willens zum guten, zuseiner wahren Vervollkommung zu erwecken. Undda ferner jeder Mensch zur Erfüllung seiner Pflich-ten zuweilen angetrieben werden muß (§. 7. u. 2.)so erhellet daß nicht allein ein Mensch vor demandern, sondern ein Volk vor dem andern, nachder besondern Cultur, Lebensweise, Verbindungmit anderen Völkern und verschiedenen mehr oderminder algemein angenommenen Vorurtheilen inAnsehung seiner Empfänglichkeit verschiedener Kennt-nisse fürnemlich aber der Religion, himmelweitvon andern sehr oft unterschieden seyn müsse; undda..