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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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60Einrichtung gänzlich derjenigen der weltlichen Ge-richte entgegen gesetzet, welche nemlich die bösenHandlungen so böse Folgen für den physischen Zu-stand der andern Glieder haben können beurthei-len, und bestrafen sollen! Wie dann auchD. Die allgemeine Menschenliebe gegen solchevon der Gemeinschaft der Kirche ausgestossene Men-scher, immerhin ausgeübet werden solte. Ebenwenig als Christus erlaubte, die Heiden und Zöll-ner zu hassen, sie zu verfolgen, eben wenig solteman gegen diese moralisch unglückliche Haß undVerfolgung blicken lassen, sondern selbige zufol-ge der feinsten Menschenkenntniß durch Liebe undGutthun zur Einkehr und Belehrung zubringen suchen.Es fallen also die Beurtheilungen der Kircheüber das moralische Schicksaal auswärtiger Reli-gionsverwandten, selbige mögen lasterhaft seyn odernicht, indem Gott selbige richten wird; sondernauch jede in der Kirchenzucht übernommene leib-liche Strafe als dem Befehle und der ReligionChristi widrig, ganz weg. Die Kirche sol keineandere als sanfte überredende Mittel brauchen, ebenwie Ihr Stifter Christus selbst thate. Sie sol-len nur allein den im bösen beharrenden so sichunter ihnen finden würde, aus Ihrer Gemeinschaftaus ich lassen, damit keine andere durch dessen zweck-widrigen Wandel in ihrem Lauf zur möglichstenVollkommenheit aufgehalten werden mögten. Wiehimmelweit ist dieses von Inkoleranz entfernt?§. 8. Eine überaus wichtige Frage, welcheauf die Toleranz einen sehr grossen Einfluß hat,