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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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59pfindung von Liebe und Hochachtung. Je mehr dieseaber gegen die Religion Christi ersticket werdendesto mehr wird ein solcher Mensch von seiner Bes-serung entfernet. Es muste deswegen der Laster-hafte vorher wissen, daß, er möge noch so laster-haft gewesen seyn, er doch bei öffentlich bezeigterReue und Verlassung seiner Laster, sofort in dieGemeinschaft der Kirche als ein lieber Bruder wi-der aufgenommen werden solte. Ja, er würdesich alsdenn noch mehr freuen können, indem erbei aufrichtiger Reue, Vergebung aller vorher be-gangener Sünden durch Christum ganz gewiß er-halten werde. Es würde selbst alsdenn zufolgeChristi Ausspruch, über ihn im Himmel mehr Freu-de seyn als über neun und nennzig Gerechte. Die-se Erkenntniß muß bei dem Lasterhaften, Nachden-ken über sich selbst, Liebe und Hochachtung fürGott, und Haß gegen seine vorherige Handlungenerregen, so bald er einige schlechte Folgen seinerHandlungen empfindet. Hätte aber das geistlicheGericht, die Gemeine, oder Kirche ihm leibliche,demüthigende Strafen anthun sollen, so würde ervon der Rückkehr zu selbiger abgehalten, oder aber aufdie Gedanken gerathen seyn, er könne seine be-gangene Sünden abbüssen; wo er doch durch dieAnnahme Christi allein Vergebung erhalten kan.Mit einem Wort, er soll klug werden durch seineeigene Erfahrung; dieß war ihm bei seinem Hangzur Sinnligkeit nothwendig, er muste fühlen daß erauf einem verkehr en Wege war, da er der Lehrees nicht glauben wolte. Wie sehr stud nicht al-le Vorschriften der christlichen Religion auf denEndzweck allein, die innere Besserung des Men-schen gerichtet! Wie Himmelweit ist aber dieseEin-